AGRONOMIE, ÖKONOMIE, ÖKOLOGIEEngagement für eine nachhaltige landwirtschaftliche Produktion
AGRONOMIE, ÖKONOMIE, ÖKOLOGIEEngagement für eine nachhaltige landwirtschaftliche Produktion

Archiv

Agrofutura-Tagung 9. Januar 2020: "Artenreiche Wiesen - vorwärts ins Mittelalter"

Die Agrofutura Tagung 2020 stand unter dem Motto «Rückblick in die Vergangenheit, um für die Zukunft zu lernen», was die Bewirtschaftung artenreicher Wiesen betrifft.

Mit einem fulminanten Referat zeichnete der externe Referent Dr. Alois Kapfer1 , einen grossen Bogen von den Grossherbivoren der Nacheiszeit, über die mittelalterlichen Weide- und Wiesensysteme bis heute. Zwei Brüche waren einschneidend negativ für die Biodiversität. Der erste Bruch von ca. 1750-1850 war die Einführung des Feldfutterbaus mit dem Anbau von Leguminosen. Das führte zur ganzjährigen Stallfütterung der Nutztiere, zur Aufgabe der gemeinsamen Hutviehweide des Dorfviehs, zur Entflechtung und Privatisierung der Nutzflächen und zu einer langsamen Intensivierung und Monotonisierung. Der zweite Bruch war der Beginn der Industrialisierung der Landwirtschaft in den 1960/70er Jahren.  Die letzten Reste der naturnahen Weidewirtschaft wurden aufgegeben. Die Nutzungen wurden maximiert (Mineraldünger, Pflanzenschutz-Gifte, Mechanisierung, Großflächenwirtschaft, Gülle-Überschüsse, Biogas).

A. Kapfer zeigte, dass die Biodiversität von Graslandsystemen ohne Grossherbivoren und grossflächige Weidesysteme nicht erhalten werden kann. Wiesen sind aus den Weiden entstanden und nicht umgekehrt. Naturnahe Beweidung durch große Pflanzenfresser ist der (vergessene) Schlüsselfaktor für unsere überkommene Biodiversität. Ohne substantielle Wiedereinführung oder Imitation der naturnahen Beweidung kann die Artenvielfalt von Naturschutzwiesen nicht erhalten bleiben.

Wie Ansätze mit Vornutzungen von Wiesen funktionieren können, zeigte Andreas Hofmann2 am Beispiel der Eindämmung und Bekämpfung der giftigen und zum Problem gewordenen Herbstzeitlosen auf. Der Praktiker Dany-Lukas Amstutz3, schilderte seine Praxis zum Atzheu, eine Bewirtschaftungsform mit Vorweide im April, welche er seit einigen Jahren auf mehreren Wiesenflächen umsetzt.

Ergebnisse aus einem Schnittregime-Versuch der Agrofutura AG präsentierte Jonas Landolt4, der diesen Versuch einige Jahre geleitet und den Bericht nach der ersten Projektphase verfasst hatte. Eines der wichtigsten bisherigen Ergebnisse des Versuchs ist, dass auf Magerwiesen (Mesobrometen) in der Regel eine zweite Nutzung (Emdschnitt) äusserst wichtig ist. Am idealsten ist ein später Emdschnitt. Damit werden die grossen Gräser eher zurückgedrängt, die kleinen Gräser, die Kräuter und die Leguminosen eher gefördert. Sehr nachteilig auf die kleinen Kräuter wirkt sich ein Verzicht auf den Emdschnitt aus.

Die deutlich über hundert Teilnehmenden zeigten die hohe Aktualität der Thematik. Die Referate und Diskussionen dazu wurden zum Teil mit Begeisterung aufgenommen. Daniel Schaffner5 führte professionell und souverän durch die Tagung. Bei einem reichhaltigen Apéro wurden die Diskussionen intensiv weitergeführt.

1 Ingenieurbüro für Landschaftsplanung + Landentwicklung, Tuttlingen
2 Agrofutura AG
3 Landwirt aus Ehrendingen
4 inatura
5 Agrofutura AG

Referat Manfred Lüthy
Referat Dany-Lukas Amstutz
Referat Alois Kapfer
Referat Andreas Hofmann
Referat Jonas Landolt

Bericht Schweizer Bauer
Bericht Bauernzeitung
Online-Bericht Atzheu Bauernzeitung

 

Eindrücke aus der Agrofutura Tagung